Thomas Mann (1875–1955).

  • Beruf: Schriftsteller.
  • Residenzen:
  • Beziehung zu Mahler:
  • Korrespondenz mit Mahler: Ja. 06-11-1910.
  • Geboren: 06-06-1875 Lübeck, Deutschland.
  • Gestorben: 12 Zürich, Schweiz.
  • Begraben: Dorffriedhof, Kilchberg, Zürich, Schweiz.

Paul Thomas Mann war ein deutscher Schriftsteller, Kurzgeschichtenschreiber, Sozialkritiker, Philanthrop, Essayist und 1929 Nobelpreisträger für Literatur. Seine symbolträchtigen und ironischen epischen Romane und Novellen sind bekannt für ihren Einblick in die Psychologie des Künstlers und des Intellektuellen. Seine Analyse und Kritik der europäischen und deutschen Seele verwendete modernisierte deutsche und biblische Geschichten sowie die Ideen von Goethe, Nietzsche und Schopenhauer.

Mann war Mitglied der Hanseatic Mann Familie und porträtierte seine Familie und Klasse in dem Roman Buddenbrooks. Sein älterer Bruder war der radikale Schriftsteller Heinrich Mann, und drei seiner sechs Kinder, Erika Mann, Klaus Mann und Golo Mann, wurden ebenfalls wichtige deutsche Schriftsteller. Als Hitler 1933 an die Macht kam, floh Mann in die Schweiz. Als der Zweite Weltkrieg 1939 ausbrach, zog er in die USA und kehrte 1952 in die Schweiz zurück. 

Thomas Mann (1875–1955).

Thomas Mann (1875–1955).

25-03-2018: Brief von Gustav Mahler (1860-1911) zu Thomas Mann (1875–1955) entdeckt. Poststempel 06-11-1910.

Thomas Mann gab dem Helden seiner Novelle „Tod in Venedig“ Gustav Mahlers Züge - jetzt ist der einzige Brief des Komponisten an Thomas Mann erschienen.

Gustav Mahlers letztes Konzert in München, die Weltpremiere der Achten Symphonie am 12, brachte ihm den größten Erfolg seiner Karriere. Thomas und Katia Mann wurden ebenfalls zu der prächtigen Party im Hotel „Vier Jahreszeiten“ eingeladen. Anscheinend gab es jedoch zu diesem festlichen Anlass keinen persönlichen Austausch zwischen dem Autor der „Buddenbrooks“ und dem berühmten Komponisten und Dirigenten.

Stattdessen sandte Thomas Mann zwei Tage später zusammen mit einer Kopie seines Romans „Königliche Hoheit“ einen formellen Hommagebrief. Er glaubte, bestätigte er, dass in der verehrten Person „der ernsteste und heiligste künstlerische Wille unserer Zeit“ verkörpert ist. Dies erklärt, dass er es für das Beste hielt, seinem fiktiven Alter Ego „Der Tod in Venedig“, dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der „Maske Mahlers“, den Vornamen und das ungefähre Alter zu geben.

Niemand konnte den Mahler-Faktor in der Entstehung des „Todes in Venedig“ ahnen. Keiner der frühen Rezensenten dachte daran, die Künstlerhelden der Novelle mit Gustav Mahler zu verbinden. Thomas Mann, der Erfahrung in der Kunst der Empfangskontrolle hat, beschloss, bei nächster Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen. Dies geschah 1921 im „Vorwort zu einem Bildportfolio“ von Wolfgang Born, der der Novelle „Venedig“ neun Farblithographien vorgelegt hatte. Hier erklärte er, dass Aschenbach weise „die Maske Mahlers trägt“.

Wir können nur spekulieren, was ihn dazu motiviert hat. Vermutlich wollte er nicht nur als ambivalenter Wagnerianer oder als Propagandist Hans Pfitzners wahrgenommen werden. Der spezifische Hinweis auf seine Wertschätzung durch Gustav Mahler und seine Bedeutung für die Novelle „Venedig“ könnte dem in gewissem Maße entgegenwirken, indem er sie korrigiert. Bisher war nicht bekannt, dass Mahler auf Manns Hommage reagierte.

Man könnte jedoch annehmen, dass der Autor von Mahlers Wertschätzung erfahren hatte, weil er in den „Überlegungen eines Unpolitischen“ schreibt, dass seine Geschichten und Romane gute „Partituren“ sind, die von Musikern geschätzt werden. Mit auffallender Sicherheit fügt er hinzu: "Gustav Mahler zum Beispiel hat sie geliebt."

Wie konnte er das wissen? Diese Frage kann nun anhand eines Briefes beantwortet werden, den die Opern- und Konzertsängerin Frauke May-Jones im Thomas-Mann-Archiv in Zürich entdeckt hat. Es ist Mahlers einziger Brief an Thomas Mann. Mahler war Ende Oktober 1910 zu seiner vierten Staffel in New York nach Amerika gereist. Es sollte sein letzter sein. Kurz nach seiner Ankunft schrieb er auf das Briefpapier des Hotels, in dem Alma und Gustav Mahler eine Suite besetzten, das Hotel Savoy, den folgenden Dankesbrief.

„Mein lieber Herr Mann!

Für Ihre lieben Zeilen und schöne Sendung nicht schon lange gedankt zu haben, muß ich mich wirklich schämen. Und ich kann es auch gar nicht begreifen, da ich auf's herzlichste davon bedrohten Krieg, wenn ich nicht aus Erfahrung wüßte, daß der Beschenkte es ebener hat als der Geber. Es ist oft schwer im Momente etwas der Gabe Würdiges zu finden. Und Ihre lieben Worte fordernten schon eine wichtigeender Erwiderung, auch so ein flüchtiger Gruß vermag. - Auf meine Fahrt über den atlantischen Ozean gehört ich mich stark [AN] mein Schüler, weil da war es, wo ich deine sehr werth gewordenen Bücher nach und nach kennenlernen; und auch stirbt zuletzt hatte ich mir für die heurige Reise aufgespart. - Seien Sie nun nun zugleich als Poet und als Freund bedankt (das Erstere bedingt zusätzlicheigen bei mir immer das Zweite) wie so oft gegeben werden, wie schon 2 mal (zu oft für eine so kurze Reise). Seien Sie herzlichst gegrüßt von gehört Sie verehrenden

Gustav Mahler. “

„Mein lieber Herr Mann!

Ich muss mich lange für deine lieben Linien und deine schöne Mission schämen. Und ich konnte es auch nicht verstehen, denn ich freute mich sehr, wenn ich aus Erfahrung nicht wusste, dass der Empfänger gerade schlechter geworden ist als der Geber. Im Moment ist es oft schwierig, etwas Wertvolles zu finden. Und Ihre lieben Worte verlangten eine bedeutendere Antwort als solch eine flüchtige Begrüßung. Auf meiner Reise über den Atlantik erinnerte ich mich sehr an meinen Schüler, denn dort lernte ich allmählich Ihre Bücher kennen, die für mich sehr wertvoll geworden waren. und auch das letzte, das ich für die diesjährige Reise gespeichert hatte. - Sei gleichzeitig als Dichter und als Freund gedankt (ersteres bedeutet übrigens immer das zweite für mich) - Ich weiß, dass mein Schweigen nicht anders interpretiert wird, und wenn sich unsere Wege wieder kreuzen, hoffe ich das Wir werden uns nicht so schnell wie zweimal überholen (zu oft für eine so kurze Reise). Mit freundlichen Grüßen von Ihrer Anbetung

Gustav Mahler. “

Poststempel 06-11-1910. Brief von Gustav Mahler (1860-1911) zu Thomas Mann (1875–1955)1910-1911 Hotel Savoy.

Der von Mahler erwähnte „Student“ ist Klaus Pringsheim (1883-1972) (genannt „Kaleschlein“), Thomas Manns Schwager, der von März 1906 bis Sommer 1907 bei Mahler an der Wiener Hofoper sein Handwerk als Dirigent gelernt hatte. Er war das entscheidende Bindeglied zwischen Mahler und dem Autor der Novelle „Venedig“. Das andere Treffen, an das sich Mahler erinnert, fand am 27 ebenfalls in „Vier Jahreszeiten“ nach der deutschen Uraufführung der Siebten Symphonie im Odeon statt. Der einzige Beweis dafür ist das Tagebuch Hedwig Pringsheim, Mutter von zwei Zwillingen Katia und Klaus Pringsheim.

Gustav Mahler an Thomas Mann

"Seien Sie nun nun zugleich als Poet und als Freund bedankt (das Erstere bedingt zusätzlicheigen bei mir immer das Zweite) ..."  "Sei sowohl ein Dichter als auch ein Freund, danke (der erstere bedeutet übrigens immer der zweite für mich) ..."

Mahlers Brief ist undatiert. Nach Identifizierung des Poststempels wurde er am 06-11-1910 geschickt. Bevor Mahler den Brief in den Umschlag steckte, schrieb er oben auf das erste Blatt über dem Briefkopf: "Wäre der Brief in Ihren Händen?" Und auf den Umschlag schrieb er: "Bitte senden!" Seine Besorgnis ist verständlich, denn er richtete den Brief an das „Landhaus Thomas Mann“ in Bad Toelz, von wo er Manns Sendung erhalten hatte. Er vermutete, dass der Autor zu dieser Jahreszeit nicht da war. Der Brief wurde korrekt an seine neue Münchner Adresse in der Mauerkircherstraße weitergeleitet.

In der Sorge des schwerkranken Komponisten, dass sein Brief wirklich in die Hände von Thomas Mann gelangt ist, wird wahrscheinlich auch eine schwache Ahnung von seinem bevorstehenden Ende mitschwingen, in Verbindung mit der Hoffnung, dass es zu einem weiteren Treffen kommen könnte, „wenn unsere Wege wieder kommen einmal kreuzen “.

Ihre Wege kreuzten sich nicht wieder. Gustav Mahler starb am 18-05-1911 in Wien. Thomas und Katia Mann, damals auf der Insel Brioni an der Adria, verfolgten die Zeitungsberichte über die Gesundheit des ehemaligen Operndirektors mit größter Sorge. Kurz nach dem Tod des verehrten Komponisten und Dirigenten wechselten die Manns ihre Ferienunterkünfte und gingen nach Venedig, ins Hotel des Bains am Lido. Dort trat die Vorgeschichte des Romans „Tod in Venedig“ in die letzte Phase ein. Sie wurde von dem Schock von Mahlers Tod überschattet - eine Trauer, die im letzten Satz der Novelle zittert: "Und am selben Tag erhielt eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von seinem Tod."

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