Aufführungen von Gustav Mahler mit den Berliner Philharmonikern (BPO):

Es begann mit einem Akt der Rebellion: Im März 1882 weigerten sich 50 Mitglieder des Ensembles des populären Musikdirektors Benjamin Bilse, ihre neuen Verträge zu unterschreiben - sie fanden die Arbeitsbedingungen zu ungünstig: Sie sollten kaum mehr als Tagelöhner verdienen. Die Musiker beschlossen, sich selbstständig zu machen und fortan auf eigenes Risiko zu arbeiten. Das neue Orchester nannte sich zunächst - bezogen auf ihre Herkunft - „The Former Bilse's Ensemble“ und verfolgte Programmierkonzepte, die denen ihres früheren Arbeitgebers ähnelten: Bei sogenannten „Popular Concerts“ verließen sie sich in der Regel mehr auf unterhaltsame Werke, während sie mehr präsentierten herausfordernde Werke und „Neuheiten“, dh neue Stücke zeitgenössischer Komponisten, in ihren „Sinfoniekonzerten“.

Musikalische Rebellen

Berlin war damals keineswegs eine bedeutende europäische Musikhauptstadt. Andere Städte, nämlich Leipzig und Wien, geben den Ton an. Sie hatten eine hoch entwickelte Konzertszene und damit entsprechend imposante Konzertsäle. Im Gegensatz dazu fanden die Uraufführungen des „Philharmonischen Orchesters“ - wie das Ensemble bald genannt wurde - in einem Open-Air-Restaurant statt. Ab Sommer 1882 spielte das Orchester in der Halle einer ehemaligen Rollschuhbahn in der Bernburger Straße mit 2,000 Plätzen. Nach Renovierungen und Verbesserungen entwickelte sich daraus der wichtigste Konzertsaal Berlins: die „Philharmonie“.

Kampf um die Existenz

Das ehrgeizige junge Orchester hatte hohe Ansprüche. Die Philharmoniker hatten ihre ersten großen Erfolge unter Dirigenten wie Ludwig von Brenner, Ernst Rudorff und insbesondere Franz Wüllner. Ihre Unabhängigkeit war jedoch mit finanziellen Risiken verbunden: Allerdings erhielten die Musiker von Anfang an administrative Unterstützung von dem unternehmungslustigen Konzertagenten Hermann Wolff, der für sie eine Abonnementserie organisierte und sie professionell beriet. Doch schon sehr bald nach ihrer Gründung wurde das Orchester von einer schwierigen Krise heimgesucht, die ihre Existenz bedrohte.

bestimmt. Berliner Philharmoniker (BPO).

Um ihre Existenz langfristig zu sichern, haben sie eine Zusammenarbeit mit dem Royal Music Conservatory geschlossen, das vom berühmten Geiger geleitet wird Joseph Joachim (1831–1907). Die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters haben sich verpflichtet, sich dem Konservatorium für eine bestimmte Anzahl von Konzerten zur Verfügung zu stellen. Aber Joseph Joachim und Hermann Wolff waren Persönlichkeiten mit unterschiedlichen musikalischen Weltanschauungen. Rivalität und Konkurrenz entstanden zwischen den beiden. Hermann Wolff gelang es, seinen Einfluss auf das Orchester stärker auszubauen und einen der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit als Hauptdirigent seiner Abonnementkonzerte zu gewinnen: Hans von Bülow (1830-1894).

Hans von Bülow (1830-1894)

Zu seiner Zeit verkörperte Hans von Bülow, der die Premiere von Tristan dirigierte und als brillanter Beethoven- und Brahms-Dolmetscher bekannt war, den modernen Dirigententyp: exzentrisch in seinen Gesten, kompromisslos, analytisch in seiner musikalischen Arbeit, ausdrucksstark in seinen musikalischen Ergebnissen. Nicht äußerlich attraktiv, aber von vollendeter Eleganz - er führte immer weiße Kinderhandschuhe - hatte er ein überzeugendes, magisches Charisma. Seine herrschaftlichen Einstellungen und Extravaganzen waren bekannt - und vergeben, weil er vor allem eines war: ein Orchesterpädagoge bis zum n-ten Grad.

bestimmt. Hans von Bülow (1830-1894)Berliner Philharmoniker (BPO).

Jenseits der uninspirierten Mittelmäßigkeit

Bülow hatte aus dem Landesorchester Meiningen bereits ein erstklassiges Orchester gemacht. Jetzt hisste er die Berliner Philharmoniker, denen er eine große künstlerische Intelligenz bescheinigte, aus ihrer „Allgemeinen Musikzeitung“ heraus und setzte Maßstäbe, die die Grundlage für den späteren internationalen Ruhm des Orchesters bildeten. Trotz seiner Strenge und seiner unerbittlichen Leidenschaft für das Proben fühlte sich der Philharmoniker ihm als Person zutiefst verbunden. Ihre Zusammenarbeit dauerte fünf Jahre, bevor Bülow, der seit seiner Kindheit an nervösen Störungen litt, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Konzertgeschäft ausschied. Er starb am 12. Februar 1894.

Intermezzo mit Richard Strauss (1864-1949)

Seine Abreise hinterließ eine schwere Lücke im Berliner Musikleben. Der Konzertagent Hermann Wolff versuchte vergeblich, großartige Dirigenten wie Hans Richter und Felix Mottl zu engagieren; Schließlich übergab er die musikalische Leitung seiner Abonnementkonzerte an den jungen Richard Strauss, einen von Bülows Schülern. Strauss, noch am Anfang seiner Karriere und in der Hoffnung, Bülow zu folgen, konnte das Berliner Publikum mit seinen progressiven Programmen nicht in die Philharmonie locken. Und Hermann Wolff hatte bald einen anderen Dirigenten im Auge: Arthur Nikisch.

Arthur Nikisch (1855-1922)

Als Hans von Bülow 1887 die Leitung der Berliner Philharmoniker übernahm, galt er als einer der wichtigsten Dirigenten seiner Zeit. Der Name seines Nachfolgers war dagegen kaum bekannt: Arthur Nikisch. Er wurde in Ungarn geboren und war gerade aus Amerika zurückgekehrt, wo er vier Jahre lang das Boston Symphony Orchestra dirigiert hatte. Nikisch, der seine musikalische Karriere als Geiger im Wiener Hofoperorchester begann und auch Leiter des Leipziger Gewandhausorchesters war, besaß eine große Sensibilität und Intuition und eroberte die Herzen der Musiker. Sie ließen sich fraglos von ihm führen; Sie gaben alles für ihn. „Man kann ohne zu zögern behaupten, dass in einem erstklassigen Orchester jedes einzelne Mitglied die Bezeichnung‚ Künstler 'verdient “, schrieb Nikisch einmal. Mit diesem Credo leistete er einen wesentlichen Beitrag zum „solistischen“ Selbstbild der Berliner Musiker. Bis heute ist es eine der besonderen Eigenschaften der Philharmoniker geblieben.

Jahr 1895Arthur Nikisch (1855-1922)Berliner Philharmoniker (BPO).

Spezialisiert auf die Ästhetik des Klangs

Der Kontrast zu Bülow hätte nicht größer sein können: Während die Interpretationen des ersteren von intellektueller Tiefe und klassischer Strenge geprägt waren, setzte Nikisch, der mit leisen und sparsamen Gesten dirigierte, auf romantische, sinnliche Farben und eine rhapsodische Breite, die sich improvisiert anfühlte. Er verlagerte den programmatischen Schwerpunkt und startete nicht nur das deutsche Repertoire, sondern dirigierte auch Kompositionen von Pjotr ​​Iljitsj Tschaikowsky (1840-1893)Hector Berlioz (1803–1869), Franz Liszt (1811–1886), Richard Strauss (1864-1949), Gustav Mahler (1860-1911) - und besonders Anton Bruckner (1824–1896). Er war jedoch unsympathisch gegenüber neuen Kompositionsideen von Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Igor Strawinsky und Maurice Ravel. Im Gegensatz zu Bülow war er nicht fanatisch in Bezug auf Proben; Stattdessen verließ er sich auf die Intuition des Augenblicks und betrachtete sich bei Konzerten als Schöpfer der Werke.

Unter seiner Leitung wurde das Orchester in der internationalen Szene immer bekannter; Alle angesehenen Solisten kamen nach Berlin, um mit den Philharmonikern aufzutreten. Das war aber noch nicht alles. Nikisch unternahm viele Reisen mit dem Orchester und stärkte auf diese Weise seinen internationalen Ruf. Auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II. Reiste er 1896 zur Krönung von Zar Nikolaus II. Nach Moskau und eroberte im folgenden Jahr bei einem legendären Gastkonzert in Paris die Herzen des französischen Publikums - die Franzosen hatten zunächst einen gewissen Groll in Richtung Berliner Ensemble nach dem Verlust des Deutsch-Französischen Krieges. Nikisch dirigierte 27 Jahre lang die Philharmonie. In dieser Zeit dirigierte er mehr als 600 Konzerte, bevor er 1922 im Alter von 67 Jahren an Influenza starb - überraschend viele.

Leiter

  1. 1882-1887 Ludwig von Brenner (1833-1902)
  2. 1887-1893 Hans von Bülow (1830-1894)
  3. 1895-1922 Arthur Nikisch (1855-1922)
  4. 1922-1945 Wilhelm Furtwangler (1886-1954) (und 1952-1954)
  5. 1945-1945 Leo Borchard (1899-1945) (1945)
  6. 1945-1952 Sergiu Celibidache (1912-1996) (ad interim)
  7. 1954-1989 Herbert von Karajan (1908-1989)
  8. 1989-2002 Claudio Abbado (1933-2014) (1933-2014)
  9. 2002-2019 Simon Rattle (1955)
  10. 2019-0000 Kirill Petrenko (1972)

Auch: Berliner Philharmoniker, Berliner Philharmonisches Orchester.

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